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Presse

Badische Zeitung (26.01.2016): Ist der Münstermarkt ein Zukunftsmodell für den Einzelhandel

Thema Wochenmarkt

Jeder Apfel, eine Geschichte:

Der Freiburger Münstermarkt


Viele Stadtgründungen gehen auf die Verleihung des Marktrechtes zurück. In Freiburg reicht diese Geschichte bis 1120 zurück. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Münsterplatz der zentrale Marktplatz der Stadt. Bis heute findet hier jeden Tag, außer Sonn- und Feiertags, der Markt statt – das sind 326 Veranstaltungstage im Jahr. Ein besonderer Schwerpunkt sind regionale und saisonale Produkte.

Gleichzeitig hat sich alleine im Laufe der vergangenen 60 Jahre im Handel viel verändert: Die vormals beliebten und gefeierten Warenhäuser sind in die Krise geraten. Das Discounter-Prinzip hat sich entwickelt und durchgesetzt. Shopping-Center entstanden als künstliche, aber perfekte Innenstadt-Imitate zunächst am Stadtrand und dringen mittlerweile in die City vor. Als jüngste Entwicklung verändert oder gefährdet der Online-Handel den stationären Handel. „Alles ist gewachsen, alles hat sich verändert – nur der Münstermarkt ist immer noch genauso groß und hat sich kaum verändert“, sagt Thomas Barth von der städtischen Gesellschaft Wirtschaft, Tourismus und Messe GmbH FWTM. Im Laufe der Zeit wurden nur kleinere Anpassungen vorgenommen, z. B. die Öffnungszeiten den veränderten Bedürfnissen angepasst. „Einerseits ist der Markt Tradition und Geschichte, aber gleichzeitig ist er auch wieder modern“, betont die verantwortliche FWTM Abteilungsleiterin Dr. Franziska Pankow.

Auf der Nordseite des Marktes verkaufen die regionalen Landwirtschaftsbetriebe ihre eigenen Produkte, ebenso die Gastronomen – auf der Südseite stehen die reinen Händler. Alle Marktbeschicker haben feste Standplätze auf der ca. 10.000 Quadratmeter großen Marktfläche. Die Plätze sind allerdings in ihrer Frequenz durchaus unterschiedlich – es gibt zentrale Läufe mit vielen Kunden, und spürbar weniger Frequenz in zurückliegenden Lagen. Um einen Marktstand zu bekommen, müssen sich Händler beim städtischen Marktamt bewerben. Eines der Prüfkriterien ist die Regionalität der Anbieter. Außerdem gibt es eine Sortimentspolitik mit Quoten für bestimmte Branchen oder Produktgruppen. Die Organisation des täglichen Marktes ist ein „logistische Herausforderung“, für die zwei Marktmeister vor Ort sind.

  • »Man sieht sich im Leben immer zweimal – auf dem Münstermarkt mindestens dreimal die Woche...«

  • »„Alles ist gewachsen, alles hat sich verändert – nur der Münstermarkt ist immer noch genauso groß und hat sich kaum verändert.«

Zur besonderen Geschichte gehören die Familienbetriebe, die seit mehreren Generationen auf dem Münstermarkt handeln. So wird auch in diesem Jahr wieder eine Marktfrau geehrt, die hier seit 65 Jahren ihre Waren verkauft. Gerade die Originalität und Kompetenz der Händler fördert die besondere Kundenbindung. Und durch die Regionalität der Anbieter und die Saisonalität der Produkte wechselt der Münstermarkt fast täglich sein Bild. Die Jahreszeiten sind auf dem Markt deutlich sichtbar, z. B. das spezielle Angebot an Pflanzen und Setzlingen im Frühjahr.

Eine Herausforderung ist die teilweise schwierige Nachfolgeregelung in den landwirtschaftlichen Betrieben, insbesondere den Familienbetrieben. Teilweise kommt es zu Betriebsaufgaben. Händler berichten zudem, dass sich das Kaufverhalten verändert hat, z. B. seien die Einkaufsmengen kleiner geworden. Dies liegt auch an der schlechten Erreichbarkeit des Marktes mit dem Pkw in der verkehrsberuhigten Altstadt („Da kann ich keinen Sack Kartoffeln kaufen, den ich dann gleich ins Auto lade.“). Zudem besuchen viele Menschen den Münstermarkt als touristische Attraktion, kaufen dabei aber allenfalls Kleinigkeiten ein.

10.000 – 15.000 Menschen besuchen den Münstermarkt pro Tag. Er strahlt auf die gesamte Innenstadt und auch auf die Stadtteile aus. Mit dem stationären Einzelhandel in der Innenstadt gibt es keine Konkurrenz, sondern eine „fruchtbare Zusammenarbeit“. Auf dem Markt gibt es nur eine beschränkte Produktauswahl – ein ergänzendes Angebot zum stationären Handel. Es gibt in der Innenstadt auch Lebensmittelgeschäfte und Bioläden, die zum Teil ebenfalls regionale Produkte verkaufen und von den selben Produzenten beliefert werden wie der Markt.

Impressionen von der Veranstaltung „Jeder Apfel, eine Geschichte – Der Münstermarkt Freiburg“ am 25.1.2016 mit Dr. Franziska Pankow (Abteilungsleiterin Tourismus, Kongresse & Events) und Thomas Barth (Projektleiter Märkte – Freiburg Wirtschaft, Tourismus und Messe GmbH FWTM).

Freiburg bietet für ein erfolgreiches Marktgeschehen sehr spezielle und günstige Voraussetzungen: Attraktivität der Stadt (Innenstadt/Münsterplatz), wohlhabende und wachsende Stadt, landwirtschaftlich aktive Region, „grüne“ Stadtpolitik sowie wenige Konkurrenzstandorte im Umland für das Oberzentrum. Aufgrund seiner Tradition und seiner überregionalen Bedeutung hat der Münstermarkt große Bedeutung und unterliegt weniger politischen oder kurzfristigen tagesaktuellen Erwägungen. „Freiburg ist wirklich eine Stadt der kurzen Wege“, so Franziska Barth. „Wir kommunizieren in der Stadt miteinander, das macht es so besonders. Viele Entscheider sind seit langer Zeit in ihren Funktionen/Ämtern am Ort (Beständigkeit) – das hat Vor- und Nachteile. Der britische Städteforscher Charles Landry hat bei einem Besuch über Freiburg gesagt: „Small enough to make it happen!“ Ein weiteres besonderes lokales Kennzeichen ist die enge Verbindung zwischen Stadt und Region. Regionale Produkte finden sich nicht nur auf dem Markt, sondern auch im Einzelhandel, im Supermarkt und in der Gastronomie.

Der Münstermarkt übernimmt ganz unterschiedliche Funktionen, die über die reine Versorgung hinausgehen. Er ist auch ein Kommunikationsort und sozialer Treffpunkt, er ist ein Kulturträger und prägt das Stadtbild, er ist Standort- und Tourismusfaktor. Und durch die engen Bezüge zur regionalen Landwirtschaft übernimmt er auch eine kulinarische und gesundheitliche Bildungsfunktion.

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