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Gute Geschäfte machen stellt sich vor – Ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt

Gute Geschäfte machen

Ein Projekt im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 – Zukunftsstadt.

Gute Geschäfte im Sinne des Projekts tragen zu einer lebendigen und nachhaltigen Stadt bei. Sie sind nicht nur ökonomisch tragfähig, sondern leisten darüber hinaus auch wertvolle Beiträge für die Nachbarschaft, den Stadtteil oder die Gesamtstadt. Das Projekt stellt die Macher und Unterstützer ausgewählter guter Geschäfte vor: Einzelhändler, Stadtplaner und Kulturveranstalter in Berlin, Eberswalde, Regensburg, Wuppertal, Freiburg, Lübeck und Hamburg.

Das Projekt versteht sich als Begegnungsort für Einzelhändler, Existenzgründer, Stadtverwaltung, Stadtmarketing, Wissenschaft und eine interessierte Öffentlichkeit. Es möchte inspirieren, informieren und ermutigen, Dialog ermöglichen und eine Diskussion über Chancen und Risiken des Einzelhandels in der Zukunftsstadt entfachen und begleiten.


Gehört der kleinteilige, inhabergeführte Einzelhandel der Vergangenheit an?

„Die Stadt braucht den Handel – aber der Handel braucht nicht die Stadt!“
Stimmt diese provokante These wirklich oder wie sieht er aus, der Handel in der Zukunftsstadt?

Viele Prognosen für den stationären Einzelhandel sind düster (Hintergrundpapier): Die Bedeutung von inhabergeführten Fachgeschäften als Vertriebsform geht seit Längerem zugunsten größerer Einzelhandelsketten und der wachsenden Zahl an Shoppingcentern zurück. Rund 73 Prozent der Internetnutzer shoppen auch im Netz. Für 2020 wird erwartet, dass 20 Prozent des Gesamtumsatzes des deutschen Handels im Onlinebereich gemacht werden. Experten prognostizieren, dass 50.000 Einzelhändler bis 2020 pleite sind – das wären 12,5 Prozent aller deutschen Einzelhändler. Diese Entwicklung trifft besonders kleine und mittlere Läden in Innenstadtlagen, vor allen Dingen Geschäfte, die besonders unter dem Angebotsdruck großer Handelsketten und Onlineshops leiden. Bereits heute gibt es Stadtquartiere, in denen der klassische Einzelhandel bereits verschwunden ist.

Es gibt aber auch Stadtquartiere, in denen neue Einzelhandelskonzepte und andere innovative Formen des quartiersbezogenen Wirtschaftens und Arbeitens zu finden sind bzw. sich entwickeln. Diese Ansätze stehen hier im Fokus. „Gute Geschäfte machen“ verstehen wir dabei als doppeldeutigen Begriff: Es geht im Handel natürlich immer um gute Geschäfte im wirtschaftlichen Sinne. Gleichzeitig geht es uns aber auch um gute Zusammenarbeit, gute Beziehungen zum Quartier, guten Service und gute Qualität der Produkte sowie gute Atmosphäre in den Geschäften.

Durch Online-Handel und Strukturwandel im Einzelhandel geraten die gewachsenen Handelslagen vielerorts unter Druck. Klassische Konzepte wie „Unternehmer“, „Kunde“, „Nachfrage“, „Ladengeschäft“, „Einkaufsstraße“ verändern sich und werden teilweise infrage gestellt. Der traditionelle Abverkauf von Waren funktioniert nur noch in bestimmten Segmenten, die sehr stark preisdominiert sind. Der Einkauf im Internet wird von vielen Konsumenten als alternativlos günstig und bequem angesehen – auch weil viele Alternativen vor Ort entweder unattraktiv oder auch nicht bekannt sind. Beim Einkauf steht heute das gewünschte Produkt im Vordergrund und nicht mehr das verfügbare Angebot im Geschäft.

2015 haben sich nur noch rund 32 Prozent der Verbraucher als traditionelle Handelskäufer bezeichnet, die nicht gerne im Internet einkaufen. Die Veränderungen im Verbraucherverhalten und der Nachfrage haben vielschichtige Ursachen. Hierzu zählen der demografische Wandel, veränderte Haushaltsstrukturen, das verfügbare Einkommen für Konsum sowie Individualisierung und zunehmende Heterogenisierung der Konsummuster. Als „hybrides Einkaufsverhalten“ wird die Mischung aus Preisbewusstsein und Erlebnisbedürfnis bezeichnet. Dabei sind auch neue Wertmaßstäbe im Käuferverhalten zu beobachten, wie zum Beispiel nachhaltiger Konsum oder die Bevorzugung lokaler und regionaler Produkte. Und auch die strikte Trennung zwischen Online oder Offline löst sich auf – „Bricks and Clicks“ werden integriert, alle Vertriebskanäle parallel genutzt. Viele Onlinehändler öffnen mittlerweile stationäre Ladengeschäfte, viele traditionelle Einzelhändler verkaufen ihre Produkte auch online – im eigenen Shop oder auf virtuellen Marktplätzen.
Es entstehen neue Geschäfts- und Handelsformen und haben das Potential, die Städte der Zukunft zu prägen. Einige Stichworte hierzu sind Share-Economy und Collaborative Consumption (Teilen statt Besitzen), Pop-Up-Stores („Experimentierflächen“ auf Zeit), Co-Working (Gemeinschaftliche Nutzung von Flächen), Individualisierte Produktion von Unikaten oder kleiner Serie, Prosumenten (Produzenten und Konsumenten rücken zusammen), Streetfood und Foodtrucks (Neue Formen mobilen Handels) sowie Handels- und Gewerbekonzepte sozialer Träger oder gemeinnützige Genossenschaften als Geschäftsform.

Verkaufsflächen werden immer mehr zu „Third Places“, zu hybriden Orten irgendwo zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, auf dem Weg zwischen Zuhause und Arbeitsort. „Kuratierter Konsum“ wird gefragt: Geschäfte, bzw. deren Inhaber lotsen ihre Kunden durch Auswahlprozesse, z. B. durch eine pointierte Auswahl von Produkten, durch Beratung oder durch Kaufentscheidungshilfen.

Vor diesem komplexen Hintergrund war die Leitfrage des Projektes, wie es stationären Einzelhändlern gelingen kann, die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsideen zu verbessern und ihre zukünftigen Handlungsspielräume so zu erweitern, dass sie ihre Existenz langfristig sichern. Ziel ist dabei, dass der stationäre Einzelhandel seine wichtigen Funktionen für die Stadt auch weiterhin wahrnehmen kann.

Deshalb haben wir Geschäfts- und Handlungskonzepte innovativer Akteure des stationären Einzelhandels und der Stadtentwicklung im Hinblick auf die Tragfähigkeit ihrer Ideen untersucht. Dabei ging es auch um die Bedingungen und Hemmnisse ihrer Verwirklichung und eine mögliche Vorbildfunktion für die Übertragung an andere Orte. Hierzu haben wir Beispiele aus sieben Städten ausgewählt – von der wachsenden Metropole bis zur Mittelstadt im strukturellen Wandel. In acht öffentlichen Veranstaltungen vor Ort haben Geschäftsleute und mit dem Einzelhandel und/oder der Stadtentwicklung vor Ort befasste Akteure gemeinsam mit den Stadtforschern der HafenCity Universität ihre Erwartungen und Ideen für die Zukunft des stationären Handels in ihrer Stadt präsentiert und diskutiert. Die Ergebnisse dokumentieren wir auf diesen Seiten.

Dieser Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Projektzeitraum war September 2015 bis Februar 2016.

Das Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt zeigt, wie die Forschung eine nachhaltige Entwicklung der Stadt ermöglicht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Wirtschaft kluge Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Egal ob Klimaanpassung, Energiesicherheit, gute Arbeit oder das soziale Miteinander: die Antwort darauf muss auf kommunaler Ebene verwirklicht werden können. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie fördern den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Forschung. Weitere Informationen unter www.wissenschaftsjahr-zukunftsstadt.de.


Das Team

Das Projekt wurde an der HafenCity Universität Hamburg durch Prof. Dr. Ingrid Breckner und Dipl.-Ing. Stefan Kreutz geleitet und in Kooperation mit Böhm und Sommerfeldt – Literarische Unternehmungen durchgeführt.

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Prof. Dr. Ingrid Breckner

Leitung

Professur Stadt- und Regionalsoziologin an der HafenCity Universität Hamburg. Lehrveranstaltungen zu soziologischen Fragen der Stadtentwicklung und wissenschaftlichen Forschungsmethoden in den Studiengängen Stadtplanung und Urban Design. Forschungsschwerpunkte und Publikationen zu den Themen soziale Ungleichheit, (sub)urbanes Wohnen, demographischer Wandel, Mobilität und Migration, Verbraucherverhalten sowie regionale Lebensmittelproduktion und Esskultur. Mitglied in nationalen und internationalen fachwissenschaftlichen Organisationen.

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Stefan Kreutz

Wissenschaftliche Bearbeitung

Dipl.-Ing. Stadtplanung, seit Februar 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsgebiet Projektentwicklung und Projektmanagement in der Stadtplanung der HafenCity Universität Hamburg (HCU). Forschungsschwerpunkte und Publikationen zu den Themen Private Initiativen in der Stadtentwicklung / Eigentümerstandortgemeinschaften, Urban Improvement Districts (BIDs, HIDs, NIDs), Management öffentlicher Räume / place-keeping sowie Kooperationsformen der Stadtentwicklung

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Thomas Böhm

Veranstaltungsorganisation und -moderation

Thomas Böhm studierte nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann „Literaturvermittlung und Medienpraxis“ an der GHS Essen. Er leitete das Literaturhaus Köln (1999-2010), den Gastlandauftritt Islands bei der Frankfurter Buchmesse 2011, sowie das Programm des internationalen literaturfestivals berlin (2012-2014), in dessen Rahmen er die Projekte „Kulturen des Alterns“ sowie „New Level – Computerspiele und Literatur“ in den Wissenschaftsjahren 2013 und 2014 konzipierte und koordinierte.

Carsten Sommerfeldt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Marketing  / Social Media

Carsten Sommerfeldt koordinierte als Pressechef des Berlin Verlags (1996-2011) und der Verlagsgruppe Droemer Knaur (2011 – 2014) große Pressekampagnen in Belletristik und Sachbuch , das Online-Marketing und die Social-Media-Aktivitäten. Zudem organisierte er zahlreiche Lesereisen mit internationalen SchriftstellerInnen und Persönlichkeiten wie Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer, Margaret Atwood, Richard Ford und Hillary Clinton.


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